Von Opfern, Zivilcourage und Überforderung

Die deutsche Erinnerungskultur verändert sich, auch durch den Wandel unserer Gesellschaft in eine Migrationsgesell-
schaft. Unser Geschichtsnarrativ ist nicht mehr das einzig gültige. Die Perspektiven von Geschichtsschreibung sind
kulturell differenzierter und die Geschichtsvermittlung in der politischen Bildung ist interkulturell.

Die Beschäftigung mit dem Holocaust kann dabei über unterschiedliche nationale Geschichtskulturen hinweg zum
gemeinsamen Referenzpunkt werden, wenn es darum geht die Mechanismen zu verdeutlichen, unter denen eine
Gesellschaft verbrecherisch wird und ihre Übereinkünfte darüber aufgibt, was gut, böse, rechtens und kriminell ist.

Das Projekt „Von Opfern, Zivilcourage und Überforderung“ beginnt im Januar mit der Ausstellung „Deine Anne, ein
Mädchen schreibt Geschichte“ und wird bis Juni in unterschiedlichen Formaten einen Bezug zu der heutigen
Situation von Flucht, Zuwanderung und Abschiebung herstellen. Themen sind u.a. Zivilcourage, Rechtsradikalismus,
demokratische Teilhabe und Gleichberechtigung.

„Deine Anne, ein Mädchen schreibt Geschichte“

Internationales Jugendprojektehaus // 13.01.-05.02.2017

Die Tagebucheintragungen von Anne Frank vermitteln uns einen Eindruck von den Sehnsüchten, Hoffnungen und Gefühlen eines jungen Menschen in der Zeit, als der Terror der Nazis für Juden und andere Verfolgte Angst und Diskriminierung, Flucht, Verstecken, Hoffnung und Verzweiflung bedeutete. Die Ausstellung ist in drei thematische Blöcke unterteilt und beginnt mit der Geschichte Anne Franks, geht weiter zum historischen Kontext und stellt Fragen an das Heute.

Der Gedankenraum ist Kernstück der Ausstellung und inspiriert zum Nachdenken über Parallelen und Unterschiede zwischen gestern und heute. Schülerinnen und Schüler der IGS Flötenteich werden zu Peer Guides ausgebildet und vermitteln die Inhalte und Hintergründe der Ausstellung anderen Jugendlichen und regen Gespräche darüber an.

Wenn Sie sich mit einer Klasse oder Gruppe die Ausstellung ansehen oder auch eine Führung mit den Peer Guides buchen
möchten, melden Sie sich bitte unter der Telefonnummer 0441 39010750 oder per Mail g.schumm@jugendkulturarbeit.eu.
Eine Führung dauert ca. 2 Stunden.
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 9-13 Uhr und 15-19 Uhr
sonntags 10-16 Uhr; Samstag, 14.01., 10-16 Uhr

Stimmen vom Flötenteich

Der Flötenteich, citynah in einem grünen Wohngebiet
gelegen, ist ein Ort der Ruhe und Erholung.
Wer kennt die Geschichte des Flötenteichs?
Wer erinnert sich an seine Entstehung?

Erleben Sie den Flötenteich als Schnittstelle
von Vergangenheit und Gegenwart.
Jugendliche der Integrierten Gesamtschule
Flötenteich werden Anwohner, Spaziergänger
und Mitschüler befragen und die Ergebnisse im
Forum der IGS präsentieren.

Initiiert und geleitet wird das Projekt von
Kyriaki Fotiadou, die als Stipendiatin sechs Wochen
bei dem Verein Jugendkulturarbeit tätig ist.

Es wird unterstützt von „START-Create Cultural Change“,
einem Programm der Robert Bosch Stiftung, in Kooperation mit dem Goethe-Institut Thessaloniki
und der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren e.V.

Zwischenwelten

Rezension:

Glauben – oder nicht
Schüler gestalten Performance zum Thema religiöse Toleranz

Auch eine Beichte stellten die Schüler in ihrer Performance nach. Foto: Kerstin Kempermann
Absolut synchron knien sich die Schüler auf der Bühne hin und schlagen das Kreuz. Kaum hat die eine Gruppe geendet, setzt sich eine andere in Bewegung. Doch nun sind die Gebetsrituale der Muslime zu sehen, dann folgt die nächste Religion.

Schon der Auftakt der Performance „Zwischen Welten – glauben, anders glauben, nicht glauben“, die Schüler des Bildungszentrums für Technik und Gestaltung Oldenburg im Rahmen des Projektes Freiheitsraum Reformation erarbeitet haben, zeigt, worum es an diesem Abend und in diesem Stück geht.

Doch vor der Aufführung in der voll besetzten Aula an der Carl-von-Ossietzky Universität stand viel Arbeit. Das machte Jessica Cronshagen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der frühen Neuzeit deutlich. Denn bei ihr – und ihren Studenten – hatte das Projekt seinen Ausgangspunkt. „Wir wollten Geschichte und Gegenwart verbinden“, erläuterte Cronshagen den Zuschauern vor Beginn des Stückes. 

Glaube und Toleranz seien derzeit sehr aktuelle Themen. Aber auch in der Reformationszeit sei Toleranz wesentliche Voraussetzung für das konfliktfreie Miteinander von Religionsgemeinschaften gewesen. Auch damals habe es Glaubensflüchtlinge gegeben.

Anhand des friesischen Dorfes Neustadtgödens, in dem zur Reformationszeit fünf verschiedene Religionen  – Mennoniten, Reformierten, Lutheranern, Katholiken und Juden – auf engstem Raum friedlich miteinander lebten untersuchte sie mit ihren Studenten religiöse Pluralität in der frühen Neuzeit. Das Material, dass die Studenten bei ihrer Recherche vor Ort zusammentrugen, bildete dann die Grundlage für das Stück der Schüler.

Diese haben daraus Fragen für Gegenwart und Zukunft entwickelt: In welcher Wechselwirkung stehen kulturelle Vielfalt, religiöse Toleranz und ökonomische Faktoren? Wie beeinflusst religiöser Glaube die für das Miteinander notwendige Toleranz? Mit ihrer Performance gaben die Schüler ihre Fragen weiter und versuchten sich in ersten Antworten. Dabei ging es sowohl um konkrete Themen wie die Beichte, aber auch um komplexere Fragen, wie die Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Mit Tanz, Gesang und Text gingen die jungen Schauspieler auf diese Themen ein und zitierten dabei auch Nietzsche. Doch bei aller Kritik am Glauben, die im Stück zur Sprache kam, an das Ende ihres Auftrittes stellten die Schüler die Aussage: „Der Mensch lebt nur eine kurze Zeit. Es ist nur einer ewig. Und wir in seinen Händen.“

 

http://www.kirche-oldenburg.de/startseite.html?Vset=qqlcowjtsk

Herkunft ≠ Zukunft

Jugendkulturarbeit e.V. in Kooperation mit dem Tagungshaus Bredbek

Wie will ich leben?
Wie will ich arbeiten?
Wo werde ich wohnen?
Was sind meine Träume und wofür schlägt mein Herz?

Viele dieser Fragen sind für junge Menschen im Übergang von Schule und Beruf ganz natürlich.
Der bekannte Alltag von Schule und/oder Elternhaus wird verlassen und ein neuer Abschnitt verlangt neue, selbstständige Entscheidungen.

Zwischen Unsicherheiten, Befürchtungen und Vorfreude bewegen sich Gedanken und Ideen rund um das Thema Zukunft.

Doch wie sieht die Situation für junge Erwachsene aus, wenn der Aufenthalt in dem
Land, in dem sie gerade leben, unsicher ist, wenn die rechtliche Situation Hindernisse
aufwirft, wenn Förderungen und Chancen ungerecht verteilt sind und der Eindruck ent-
steht, dass es keine Zukunftsperspektiven gibt?

In diesem soziokulturellem Projekt werden wir an 2 Standorten mit jungen Erwachse-
nen mit Fluchterfahrungen, die alleine oder auch mit ihren Familien nach Deutschland
gekommen sind, mit verschiedenen Mitteln der kulturellen politischen Bildung (u.a. me-
dienpädagogisch und theaterpädagogisch) arbeiten.

„Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? Worauf freue ich mich? Was sind meine Sorgen,
Ängste?“
„Welche Rolle spielt Erwerbsarbeit für mich persönlich / in der Gesellschaft / für die
Integration?“; „Welche Art von Diskriminierung oder Benachteiligung gibt es und erlebe
ich in der Arbeitswelt und hinsichtlich weiterer zukunftsrelevanter Themen (u.a. Aus-
und Weiterbildung, Bleiberecht, Wohnort, Unterstützung, Finanzen)?“

Die Erarbeitung einer theatralen Performance und die Veröffentlichung am Ende des
Prozesses verleiht IHREN Stimmen und Meinungen Ausdruck.

27.10.2016, 19.30 Uhr und 28.10.2016, 10.30 Uhr (Aufführungen)
––> Gina Schumm // g.schumm@jugendkulturarbeit.eu