„Erinnerungskultur und Teilhabe“ ist seit 2017 der Schwerpunkt der politischen Jugendbildung im Internationalen Jugendprojektehaus. Das Ziel unserer politischen Bildungsarbeit ist es mit Jugendlichen gemeinsam Formen der gesellschaftlichen Partizipation jenseits gewohnter Politikverhältnisse zu entwickeln und zu erproben. Konzeptionell orientiert sich unsere Bildungsarbeit an dem Oldenburger Ansatz der Theaterpädagogik, Jugendarbeit und des szenischen Spiels, der auf die Lehr- und Forschungstätigkeit Ingo Schellers¹ zurückzuführen ist. Im Bereich der politischen Bildung finden seine und weitere Methoden der Theaterpädagogik in den Seminaren Anwendung. Diese setzen sich mit gesellschaftsaktuellen Themen auseinander. Darüber hinaus werden mit Jugendlichen Theaterproduktionen erarbeitet, die sich über einen längeren Zeitraum tiefergehend mit einem Thema beschäftigen und die Ergebnisse auf einer Bühne präsentieren möchten. Die Schwerpunktthemen im Jahr 2022 sind Erinnerungskultur, Gender, Hass, Angst und der NSU-Komplex.

¹Scheller, Ingo: Szenisches Spiel. Handbuch für die pädagogische Praxis. Berlin 1998; 6. Auflage 2012

Zum Thema Hass arbeiten 12 Jugendliche unter dem Arbeitstitel „Black Space“ an einer Theaterperformance, die im Sommer Premiere haben wird.

Das Thema Angst wird in Seminaren und einer Produktion bearbeitet.
„Woher kommt die Angst? – Transgenerationale Weitergabe von Traumata“ „Wer bestimmt die Erinnerung?“ „Woher kommt der Hass?“ sind die Titel der neuen Seminare.

Die politische Jugendbildung wird unter anderem aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes über das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSF) über den Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) gefördert.

 

Wer bestimmt die Erinnerungen?

Erinnerungen sind allgegenwärtig. Sie sind Eindrücke, Bilder, Gerüche, Gefühle aus unserer Kindheit. Geschichten über unsere Großeltern, der Geschmack des Toastes heute morgen, unser letzter Alptraum. All das sind Erinnerungen und sie bilden unsere Gegenwart. Sie beeinflussen unsere Vorlieben, Erwartungen, Ängste und Beziehungen. Kurz: unsere Identität. Und nicht nur auf individueller, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. Gemeinsame Erinnerungen begründen Nationalstaaten und Religionen, formen letztlich Politik und Geschichte. Doch wer bestimmt darüber, was erinnert wird und was nicht? Wie bildet sich eine „Erinnerungskultur“? Was soll das überhaupt sein, „Erinnerungskultur“? Und wo überschneidet sich die gesellschaftliche Erinnerung mit meiner eigenen?
Die Reflexion eigener und kollektiver Erinnerungen bestärkt die eigene Identitätsfindung.

Termine nach Absprache; 3-5 Seminartage

Gina Schumm,

 

Gender Mainstreaming, warum?

Das Thema „Geschlechteridentität“ ist komplex. Viel zu oft wird es in der Öffentlichkeit heruntergebrochen und zusammengestaucht. Dabei werden Personen, die von der heterosexuellen cisgender Mehrheit abweichen häufig übersehen und durch strukturelle Diskriminierung, die von fehlender sprachlicher Inklusion bis zu gewalttätigen Hassverbrechen reicht, benachteiligt. Deshalb ist es wichtig, sich in sensiblen Räumen konstruktiv über die gesellschaftlichen Dimensionen von Geschlecht, Sexualität und den damit verbunden Rollenbildern auszutauschen, den Erfahrungen Betroffener zuzuhören und die eigene Perspektive zu öffnen. Nur so kann man unserer diversen, pluralistischen Gesellschaft gerecht werden.

Termine nach Absprache; 3-5 Seminartage

Gina Schumm,

 

Privilegien – an wen wird erinnert?

Die Welt lebt von Ungleichheit. Nationalität, Sozialer Status, Geschlecht, Hautfarbe und Gesundheit sind nur ein Teil der Eigenschaften, die darüber entscheiden, welche Möglichkeiten ein Mensch im Leben haben wird und wie weit er*sie Diskriminierung und Benachteiligung erdulden muss. Ausschlaggebend ist, wie weit man mit der als „Norm“ definierten Mehrheitsgesellschaft übereinstimmt. Es ist offensichtlich, dass man als Individuum auf den Großteil dieser Umstände selbst (fast) keinen Einfluss hat, denn bei ihnen handelt es sich um biologische Eigenschaften oder gesellschaftliche Strukturen und Prozesse. Dennoch bestimmen sie, welche Privilegien und/oder Nachteile jeder*m von uns zustehen.

Ob das gerecht ist, ob es Alternativen gibt und wie diese aussehen, darüber lässt sich diskutieren. Dafür hilft es, eine Zeitreise zu machen und dem geschichtlichen Ursprung einiger Privilegien auf die Spur zu gehen. Mit Methoden aus der Erinnerungskultur und der Theaterpädagogik, verstehen wir so besser, wie Diskriminierungsmuster entstehen und wie sie sich auf die Gegenwart auswirken.

Termine nach Absprache; 3-5 Seminartage

Gina Schumm,

 

Woher kommt die Angst? – Transgenerationale Weitergabe von Traumata

Angst ist uns allen ein ständiger Begleiter. Sie begegnet uns im Alltag mit vielen Gesichtern, sei es als mulmiges Gefühl vor einer Prüfung, Sorge angesichts eines Abgrunds oder als Angst vor der Angst selbst.
Dabei haben Ängste eine klare Funktion, sie sollen uns als Alarmsignal vor Gefahren schützen und verhindern, dass wir Fehler machen. Dafür wurzeln sie tief in unserem Unterbewusstsein. Von dort aus lenken sie unser Verhalten, häufig ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Dabei sind sie irrational. Sie entziehen sich unserer Kontrolle und Vernunft. Angststörungen und Phobien sind weit verbreitete Formen psychischer Krankheiten.
„Die Angst regiert“ – mit Ängsten wird zudem bewusst Politik gemacht. Egal ob mit der Angst vor Geflüchteten, queeren Menschen, Angehörigen religiöser Gruppen oder einer angeblichen Diktatur, die durch eine falsche Pandemie verschleiert werden soll.
Einmal geweckt, ist es schwer Ängste wieder loszuwerden. Sie werden von Person zu Person, aber auch von Generation zu Generation übertragen: charakteristische Ängste und Nöte werden von Eltern an ihre Kinder weitergegeben, sodass diese noch Jahre später Folgen von Ereignissen spüren, die schon längst vergangen sind.

Termine nach Absprache; 3-5 Seminartage

Gina Schumm,

 

Nicht mit uns!

Projekt zum Thema rechtsextreme Gewalt, Machtverhältnisse und Stereotype

Ausgehend von der rechtsextremen Mordserie des NSU, die weltweit für Entsetzen gesorgt hat, und ein Jahrzehnt lang durch die auf rassistischen Stereotypen aufbauenden Hypothesen der Ermittelnden geprägt war, wird sich das Projekt „Nicht mit uns “ mit rechter Gewalt, institutionellem Rassismus beschäftigen und Betroffenenperspektiven aufzeigen.

Jugendkulturarbeit in Kooperation mit der IGS Flötenteich, dem Berufsbildungszentrum für Technik und Gestaltung, Kutlu Yurtseven und Schüler*innen der Sekundarstufe II unterschiedliche Formate entwickeln, die im Herbst 2022 durchgeführt und präsentiert werden.

Als zentraler Mittelpunkt des Projektes wird die 2012/13 von Birgit Mair konzipierte Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ im Rahmen des Projekts nach Oldenburg geholt und in der Integrierten Gesamtschule Flötenteich für vier Wochen ausgestellt.

Außerdem werden Jugendliche zu Peer Guides ausgebildet, die durch die Ausstellung führen und unterschiedliche Workshop-Formate angeboten sowie eine szenische Lesung erarbeitet.

Durchführung des Projektes im Oktober und November 2022.

Gina Schumm,

 

Ich weiß, was du letzte Nacht getan has(s)t

Performance zum Thema Hass

Jugendclub

In der Performance „Ich weiß, was du letzte Nacht getan has(s)t“ beschäftigen sich 14 junge Menschen mit Beziehungen, Fanatismus, Demokratiefeindlichkeit. Sie hinterfragen rassistische Denkweisen und Gruppendynamiken, die zu Hass und Diskriminierung führen.

Sie tun es spielerisch – absurd…

„Die Dämmerung ist der Übergang von Tag zu Nacht. Sie kommt und mit ihr die Kälte, die den Nebel weckt… Sein Geschmack ist bitter, sein Geruch verbrannt und seine Farben sind schwarz und rot…“

Einige spüren den Sog und stürzen sich begeistert hinein. Andere versuchen sich zu wehren, gegen das Drücken, Pressen, Stechen, das immer stärkere Ziehen, das jeden vernünftigen Gedanken zur Seite fegt… Man will nicht hassen…“
Aber was haben die Prinzessin und der Prinz damit zu tun und wer kann überhaupt Schnürsenkel binden?

Mit: Anastasia Baßner, Anna Hinrichs, Faith Mokua, Fiene Peters, Hannah Pieper, Ida Lay, Jan Maibaum, Janna Sölter, Janek Fulda, Julian Schulze, Johannes Bölts, Melika Jalili, Nele Rohlfs, Paul Lohmann

Leitung, Regie: Gina Schumm
Theaterpädagogik: Gina Schumm, Margit Ostern
Musik: Andreas Steil
FSJ-Politik: Julian Schulze
Praktikum: Hannah Pieper

 

„Augen zu! Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen“ (Arbeitstitel)

Theaterperformance/ interdisziplinären Projekt

Angst - Beschleunigung des Herzschlages, Schwitzen, das Zittern, die Übelkeit, der Schwindel und dieses schnelle Atmen…und es will einfach nicht aufhören, diese Gefühl der Angst…

Unter Angst versteht jede*r irgendetwas - oder eben etwas anderes.
Auslöser für Angst sind vielfältig.
Angst vor sozialem Abstieg, vor der Einsamkeit, die Angst ums Eigenheim. Angst vor totaler Überwachung, vor gleichgeschalteten Werten und Angst vor normiertem Leben. Gibt es Ängste, die weiblich sind? Welches sind die Situationen und Orte, die je nach Geschlecht unterschiedlich bedrohlich oder angsteinflößend sind? Angst vor Spinnen, vor Mäusen, vor Männern?
Frauen fahren durch verschiedene Stationen der Angst, erleben eine Achterbahn der Gefühle. Die Augen weit aufgerissen, dann fest verschlossen... und steigen wieder aus.
Immer noch ängstlich?

Die Spielerinnen setzen sich lustvoll damit auseinander, was Angst mit uns macht, wie wir Angst überwinden können und welchen Spaß es machen dann keine Angst mehr haben zu müssen…

„Ich hatte einen Albtraum, ich habe geträumt ich hätte keine Angst mehr.“

An der Produktion sind 9 Frauen im Alter von 16 bis 63 Jahren.
Die Performance wird im Januar 2023 gezeigt.

Gina Schumm,